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      Die Rückkehr der Tierqual: Finger weg von Import-Eiern!

      Zehn Jahre lang gab es keine importierten Frisch-Eier in österreichischen Supermärkten - PENNY hat nun das Tabu gebrochen. Wir haben zusammengefasst wieso es so wichtig ist, die Finger von den Importeiern zu lassen.

      7/10/2021
      • Landwirtschaft
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      • Österreich
      Die Rückkehr der Tierqual: Finger weg von Import-Eiern!

      Über zehn Jahre lang musste man diese Diskussion nicht führen, schließlich fanden sich seit 2010 keine importierten Frisch-Eier mehr in österreichischen Supermärkten. Aus gutem Grund, sind doch die österreichischen Standards bei der Eier-Produktion wesentlich höher als im Ausland. Der jüngst erfolgte Tabubruch des Diskonters PENNY, Tochterunternehmen des REWE-Konzerns, der erstmals wieder importierte Eier angeboten hat, macht es nun jedoch erneut notwendig darauf hinzuweisen, wieso man davon die Finger lassen muss.
       
      Keine Käfige mehr in Österreich – aber sonst überall

      Der wichtigste Unterschied im Vergleich der österreichischen Eier-Produktion mit den europäischen oder weltweiten Standards, ist wohl das Verbot der Käfighaltung. Seit dem Jahr 2009 sind die „konventionellen Käfige“ in Österreich verboten, im Rest der Welt dominieren sie aber nach wie vor. Vor allem außerhalb der Europäischen Union sind sie die Regel. Dabei sind Hühner ihr kurzes Leben lang auf einer Fläche, kleiner als ein DIN-A4-Blatt eingesperrt. Das führt zu Angst, Schmerzen und Erkrankungen.

      Seit 2019 ist in Österreich aber selbst der sogenannte „ausgestaltete Käfig“ verboten. Und zwar nur in Österreich, denn selbst in Deutschland und anderen Ländern der EU finden sich nach wie vor Unmengen an Käfigen. In diesen verfügen die Hühner über ganze 750 Quadratzentimeter an Platz, das sind 1,5 DIN-A4-Blätter. Und nein, auch das ist mit dem Tierschutz natürlich nicht vereinbar. Die Europäische Union hat angekündigt dies ab 2026 schrittweise verbieten zu wollen, bislang gibt’s dazu aber nur Lippenbekenntnisse.

      Was es in Österreich auch nicht mehr gibt, ist das berüchtigte Schnabelkürzen. Dabei wird das wichtigste Tastorgan der Hühner, das empfindsam ist, teilweise amputiert. Es ist Ausdruck einer völlig falschen Haltungsform und wird in weiten Teilen der Welt nach wie vor praktiziert. Ebenso unterscheiden sich die Betriebsgrößen grundsätzlich dramatisch, in Deutschland sind Ställe mit über 200.000 Hühnern keine Seltenheit, in Österreich ist die Landwirtschaft nach wie vor weitestgehend kleinstrukturiert.

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      Unmengen an Soja für die Fütterung werden nach Deutschland importiert
      Keine Beteiligung an der Regenwald-Zerstörung

      Erwähnt werden muss bei der konventionellen Eier-Produktion zudem die Frage der Fütterung. In Österreich wird bereits seit dem Jahr 2010 ausnahmslos gentechnikfreies Futter eingesetzt. Hier unterscheidet sich Österreich stark vom weltweiten und vom europäischen Standard, wo nach wie vor das Gen-Soja dominiert. Zudem wird in Österreich ausschließlich auf Donau-Soja gesetzt, auf Soja aus Europa. In Deutschland landet jedoch massenhaft Soja aus dem Regenwald im Futter für die Hühner.

      Mehrere Milliarden Kilo Soja werden jährlich nach Deutschland importiert, ein erheblicher Teil davon landet im Tierfutter. Damit gehört Deutschland zu einem der wichtigsten europäischen Treiber der Regenwald-Zerstörung. Der Anbau von Soja im Regenwald ist aber auch mit einem hohen Einsatz an Pestiziden verbunden, was sich langfristig nachteilig auf die Biodiversität in der grünen Lunge auswirkt. Ganz zu schweigen von den vielen Menschenrechts-Verletzungen, die mit dem Soja-Anbau der Agrarkonzerne verbunden sind.

      Kleinstrukturierte Landwirtschaft

      Während in Deutschland der sogenannte „Strukturwandel“ bereits weit fortgeschritten ist, immer größere Betriebe in der Landwirtschaft rücksichtslos auf Masse produzieren, ist die österreichische Landwirtschaft noch weitestgehend kleinstrukturiert. Bei der Eier-Produktion sind es ausschließlich Familienbetriebe mit langer Tradition, die in vergleichsweise kleinen Anlagen für die regionale Versorgung produzieren. In Deutschland wird das „Eier-Business“ hingegen längst von multinationalen Konzernen diktiert.

      Als Teil der Europäischen Union kann Österreich keine Importverbote erlassen, die kleinstrukturierte Landwirtschaft demnach nicht über Einfuhrbeschränkungen schützen. Die übermächtige Konkurrenz aus den deutschen oder polnischen Großanlagen, die viel billiger produzieren können, weil die Tier- und Naturschutz-Standards deutlich niedriger sind, hätte also ein leichtes Spiel am österreichischen Markt. Und das würde dazu führen, dass nach und nach die heimischen Eier-Produzenten zusperren müssen.
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      Importierte Eier aus Deutschland erkennt man am Landeskürzel "DE"
      Finger weg von Import-Eiern!

      Aus all diesen Gründen war es von 2010 bis vor kurzem ein unausgesprochenes Gesetz, dass keine importierten Frischeier in österreichischen Regalen zu finden sind. Alle Lebensmittelhändler hatten sich darauf verständigt, die großen Fortschritte im Sinne der Tiere, der Natur und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft dadurch zu unterstützen, dass sie keine Qual-Eier aus dem Ausland listen. Die Konsument*innen haben sich daran gewöhnt und verlassen sich auf diese hohen Standards in österreichischen Supermärkten.

      Der Vorstoß von Penny Österreich ist insofern gleich in mehrfacher Hinsicht hochproblematisch. Er ist nicht nur ein direkter Angriff auf die österreichischen Standards, sondern revidiert eine gute zehnjährige Praxis. Und öffnet damit Tür und Tor für weitere Billig-Importe, auch abseits der Eier-Branche. Wenn sich dieser Weg durchsetzt, dann hat die österreichische Landwirtschaft keine Chance. Aus Sicht der Konsument*innen, aber auch der Bürger*innen, kann es daher nur lauten: Finger weg von Import-Eiern!



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