In Österreich zeichnet sich eine der größten Entlastungsmaßnahmen für Haushalte der vergangenen Jahre ab: Die Bundesregierung hat beschlossen, die Mehrwertsteuer (MwSt.) auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von derzeit zehn auf fünf Prozent zu reduzieren. Die Maßnahme soll ab Mitte 2026 in Kraft treten und den Konsumentinnen und Konsumenten spürbare Preisvorteile bei wichtigen Lebensmitteln bringen. Hintergrund sind die anhaltend hohen Preise im Lebensmitteleinzelhandel und der politische Druck, insbesondere auf Familien und einkommensschwächere Haushalte zu entlasten.
Regierungsklausur und politische Einigung
Die Senkung der Mehrwertsteuer war ein zentrales Thema der jüngsten Regierungsklausur der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS. Laut Regierungsvertretern wurde vereinbart, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Grundnahrungsmittel von zehn auf knapp unter fünf Prozent zu halbieren. Damit reagiert die Regierung auf den Druck der Sozialdemokratie und teils auch aus der Bevölkerung, langfristige Entlastungen bei der Lebensmittelrechnung zu schaffen.
Finanzminister und Koalitionsparteien argumentieren, dass die Senkung ein klares sozialpolitisches Signal sei und vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen entlaste, da diese anteilig mehr ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben als wohlhabendere Haushalte. Kritiker warnen dagegen, dass eine breite Steuerreform ohne gezielte Maßnahmen andere Bereiche belaste oder nicht vollständig an die Endpreise weitergegeben werde.
Umfang der Senkung und Kosten
Nach aktuellen Berechnungen wird diese Maßnahme den Staatshaushalt rund 400 Millionen Euro pro Jahr kosten. Gegenfinanziert soll sie unter anderem durch Abgaben auf nicht recycelbares Plastik und Paketlieferungen aus Nicht-EU-Ländern werden.
Die konkrete Ausgestaltung der Liste jener Grundnahrungsmittel, die in den Genuss der Steuererleichterung kommen, war lange offen. In einer ORF-Pressestunde nannte Vizekanzler Andreas Babler erstmals eine detaillierte Aufstellung jener Waren, die ab Juli 2026 billiger werden sollen – orientiert an sozialpolitischen und produktionswirtschaftlichen Kriterien.
Diese Lebensmittel werden billiger – die vollständige Liste
Nach Angaben der Regierung und aktuellen Medienberichten umfasst die Liste folgende Hauptgruppen und einzelne Produkte:
Milch, Milchprodukte und Eier
- Frische Milch (einschließlich laktosefreier tierischer Milch)
- Butter
- Eier (von Hühnern)
Gemüse (frisch und gekühlt)
- Kartoffeln
- Tomaten
- Zwiebel, Knoblauch, Lauch
- Blütenkohl und Kohlrabi
- Verschiedene Salate
- Karotten, Rüben, Knollensellerie
- Gurken
- Bohnen, Erbsen
- Kürbis, Paprika, Spargel
- Gefrorenes Gemüse (z. B. Erbsen, Spinat)
Obst
- Frische Äpfel und Birnen
- Steinobst wie Marillen, Kirschen (saisonal)
Getreideprodukte, Mehl und Backwaren
- Reis
- Weizenmehl und Weizengrieß
- Nudeln ohne Füllung
- Brot und Gebäck (u. a. Semmeln; auch glutenfreie Varianten)
Weitere Grundnahrungsmittel
- Speisesalz
Die Regierung betonte, dass diese Auswahl darauf ausgerichtet sei, etwa ein Drittel des täglichen Einkaufswerts abzudecken und die heimische Produktion zu stärken. Die Entscheidung, konkrete Produkte wie österreichische Äpfel zu begünstigen, während importierte Bananen nicht aufgenommen werden, zeigt die Detailorientierung bei der Definition der begünstigten Waren.
Wie viel spart der durchschnittliche Haushalt?
Österreichische Medien und Expertinnen schätzen, dass der steuerliche Vorteil bei Lebensmitteln spürbar, aber nicht dramatisch sein wird. Je nach Haushaltsgröße und Einkaufsgewohnheiten könnten Konsumentinnen und Konsumenten rund 100 Euro pro Jahr sparen – das entspricht etwa acht bis zehn Euro pro Monat.
Andere Analysen gehen von etwas höheren Einsparungen aus: Laut dem Momentum Institut könnte ein durchschnittlicher Haushalt durch die Senkung rund 126 Euro jährlich an Supermarktkosten einsparen. Diese Berechnung basiert auf dem typischen Warenkorb an Grundnahrungsmitteln und der vollständigen Weitergabe des Steuervorteils an die Endpreise.
Diese Einsparungen mögen im Einzelnen moderat erscheinen, doch gerade für Haushalte mit geringem Einkommen summieren sie sich zu einer relevanten Entlastung, da Lebensmittel einen größeren Anteil am Haushaltsbudget ausmachen als bei wohlhabenderen Haushalten.
Wirtschaftliche, soziale und politische Relevanz
Ökonominnen und Ökonomen sehen in der Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel nicht nur eine entlastende Maßnahme, sondern auch einen Beitrag zur Inflationsbekämpfung. Nach Berechnungen könnte die Maßnahme die Gesamtinflation einmalig um bis zu 0,5 Prozentpunkte senken, vorausgesetzt, die Preisvorteile werden vollständig an die Verbraucher weitergegeben.
Kritiker hingegen warnen, dass eine einfache Umsatzsteuersenkung ohne flankierende Maßnahmen bei Marktstrukturen und Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel den Effekt verwässern oder bei anderen Waren Preiserhöhungen ausgleichen könnte. Zudem besteht Unsicherheit, ob alle Händler die Steuerentlastung in voller Höhe an die Preise weiterreichen.
Politisch ist die Maßnahme ein maßgeblicher Schritt in Richtung sozialer Absicherung und Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten. Sowohl Regierungsparteien als auch Wirtschaftsverbände – darunter die Wirtschaftskammer – begrüßen die Initiative, sofern sie wirklich zu niedrigeren Preisen beim täglichen Einkauf führt und nicht nur eine buchhalterische Entlastung bleibt.
Fazit
Die angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel in Österreich ist ein bedeutender Schritt der Regierung, um die finanzielle Belastung für Haushalte zu reduzieren – insbesondere für jene mit niedrigerem Einkommen. Ab Mitte 2026 sollen Produkte wie Milch, Mehl, Brot, Gemüse und saisonales Obst steuerlich begünstigt werden, was zu jährlichen Einsparungen von rund 100 bis 130 Euro pro Haushalt führen dürfte.
Obwohl die konkrete Liste der begünstigten Lebensmittel und die genaue Wirkung im Detail noch Gegenstand politischer Debatten und gesetzlicher Festlegungen ist, steht fest, dass viele grundlegende Artikel des täglichen Bedarfs künftig für Konsumenten billiger sein werden. Und während die wirtschaftliche Wirkung in der Gesamtinflation begrenzt bleiben dürfte, zeigen internationale Erfahrungen: Eine gezielte Umsatzsteuersenkung kann im Supermarkt spürbare Effekte entfalten, sofern sie transparent und konsequent umgesetzt wird.
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