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      Brandstifter oder Klimawandel: Wer wirklich für die Brände verantwortlich ist

      Die schlimmsten Brände aller Zeiten wüten derzeit in vielen Regionen der Welt - doch wer ist Schuld daran? Der Klimawandel oder Brandstifter?

      8/11/2021
      • Klima
      • International
      • Umwelt
      Brandstifter oder Klimawandel: Wer wirklich für die Brände verantwortlich ist
      Angelos Tzortzinis/AFP
      Bürger*innen löschen Feuer auf Euböa

      Die Behörden sind sich einig: Es ist die schlimmste Brandkatastrophe aller Zeiten, die aktuell auf Euböa wütet. Noch nie wurde so viel Land vernichtet, noch nie waren die Flammen so zerstörerisch, noch nie waren Menschen derart stark in ihrem Leben gefährdet. Auch in anderen Teilen Griechenlands, in der Türkei oder in Italien, wüten die Feuer und überall ist der Befund der gleiche: Sowas wie das hier, haben wir noch nie erlebt.

      Schicken wir voraus, dass wir uns nur auf die Zeit beschränken, in denen wir Menschen auf diesem Planeten leben. Schicken wir auch voraus, dass wir nur die Zeiträume betrachten können, in denen es seriöse Aufzeichnungen darüber gibt, was wann und wie passiert ist. Und schicken wir ebenso voraus, dass wir uns nicht auf Hörensagen oder persönliche Empfindungen stützen wollen, sondern auf harte Fakten.

      Wer hat recht?

      Wenn es also so ist, wie die Behörden und Expert*innen meinen, gestützt auf wissenschaftliche Erhebungen und amtliche Dokumente, was ist der Grund dafür? In den letzten Tagen gibt es nicht nur in der oekoreich-Community heftige Diskussionen. Manche meinen, dass das alles das Werk von Brandstiftern sei – andere werfen ein, dass dies die Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels sind. Wer hat recht?

      Die Antwort ist: Beide. Denn wir wissen mittlerweile, dass sowohl in Griechenland als auch in Italien und in der Türkei, tatsächlich viele Brände von Brandstiftern gelegt wurden. Auch wenn wir über die aktuellen Hintergründe noch zu wenig wissen, so zeigen Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass es da oftmals um Bauland-Spekulation geht, dass sogar die Mafia ihre Finger im Spiel haben kann. Das ist nichts Neues.

      Neu ist allerdings, dass die Brände inzwischen eine Intensität und Verbreitung erreichen, die Löscharbeiten temporär nahezu unmöglich machen. Die unglaubliche Dürre und Hitze, mit Temperaturen von bis über 45 Grad, die auch in der Nacht kaum abnehmen, der noch stärker als früher ausgeprägte Wassermangel und die starken Winde, die Feuer immer wieder anfachen und sie zu wahren Walzen werden lassen, das ist in der Tat neu.

      Wir dürfen die Augen nicht verschließen

      Und das ist das Resultat des sich verändernden Klimas. Erst kürzlich haben Wissenschaftler*innen gezeigt, dass insbesondere der Mittelmeer-Raum zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen zählt. Die Temperaturen steigen, Wetterextreme werden noch öfter vorkommen. Millionen Menschen werden dadurch in ihrer Existenz bedroht – damit werden wir uns alle beschäftigen müssen.

      Wer die kriminelle Energie hinter vielen der Brände leugnet, erweist der Klimabewegung keinen Dienst. Wir dürfen die Augen keinesfalls vor jenen verschließen, die das Streichholz anzünden, um sich zu bereichern. Aber wir dürfen auch nicht wegschauen vor dem Meer an Benzin, das mittlerweile verschüttet wurde und das jederzeit entzündet werden kann. Beides ist unsere Verantwortung als wache, wehrhafte Gesellschaft.




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