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      Baby-Nahrung im Check: Äpfel aus Chile, Reis aus Pakistan und Palmöl

      Gerade bei den Kleinsten sollte man ganz genau auf die Ernährung achten, das versteht sich hoffentlich von selbst. Doch wie sieht es mit der zugekauften Nahrung aus, die Babys ab dem 6. Lebensmonat verabreicht wird?

      7/28/2021
      • Ernährung
      • Österreich
      Baby-Nahrung im Check: Äpfel aus Chile, Reis aus Pakistan und Palmöl

      Gerade bei den Kleinsten sollte man ganz genau auf die Ernährung achten, das versteht sich hoffentlich von selbst. Doch wie sieht es mit der zugekauften Nahrung aus, die Babys ab dem 6. Lebensmonat verabreicht wird? Das Angebot ist schier endlos, bis zu 130 Produkte finden sich bereits im gewöhnlichen Supermarkt, sogar weit über 500 in den Drogeriemärkten.

      Das spricht zumindest für ein gutes Geschäft für die Industrie- und Handelskonzerne, tatsächlich sollen mindestens 150 Millionen Euro jährlich mit dem Babynahrung-Segment verdient werden. Vorwiegend im Drogeriefachhandel, doch zunehmend auch im Lebensmittelhandel, der mit Eigenmarken auf den Markt drängt.

       Bekannte Marken, schöne Bilder

      Große Player sind in Österreich die Firmen HIPP, die Danone-Tochter MILUPA sowie BEBIVITA, die angeblich eine Tochterfirma von HIPP ist und deutlich günstiger angeboten wird. Umso wichtiger also, dass genauer hingeblickt wird, was wirklich in den Gläschen und Breien steckt, die mit allerlei schönen Worten und Bildern angepriesen werden.

      Greenpeace hat in einem aktuellen Check in österreichischen Supermärkten erhoben wie viele Bio-Produkte in den Sortimenten zu finden sind und ob die Herkunft der Hauptzutat bzw. die Herkunft der Inhaltsstoffe generell angegeben ist, sowie. Außerdem wollte man wissen, ob bzw. welche Öle verwendet werden und woher sie stammen.  

      Die Ergebnisse im Überblick

      Wir haben die wichtigsten Ergebnisse für Euch im Überblick:

      ·     Ein Drittel der untersuchten Produkte enthielt Palmöl. Nach Ansicht zahlreicher Expert*innen gibt es keine „ökologische“ Form des Palmöl-Anbaus, es handelt sich daher im Grunde immer um ein Produkt aus Raubbau an unserem Planeten

      ·     7 von 8 Supermärkten kommen über die Gesamtwertung „Befriedigend“ nicht hinaus. Das zeigt, dass die Ambitionen der Supermarkt-Ketten, insbesondere im Bereich der Babynahrung, noch lange nicht ausreichend sind. 

      ·     Die 3 untersuchten Drogerie-Märkte haben besser abgeschnitten, nur die REWE-Tochter BIPA erhält mit „Befriedigend“ ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Im Zweifel ist man dort also besser aufgehoben, wenn es um Qualität geht.

      ·     Besonders schwach sind Supermärkte wie Drogerie-Märkte beim Nachweis der Herkunft – fast kein Markt kann hier mehr als 3 von 10 Punkten erreichen. Das führt dazu, dass Äpfel aus Chile und Reis aus Pakistan enthalten sein können.
       
      ·     Der große Verlierer im Check ist der deutsche Konzern LIDL mit einer Gesamtwertung von nur 36 Prozent und einer Note von „Genügend“. Damit enttäuscht die Österreich-Tochter der größten Supermarkt-Kette Europas.

      Fazit: Schöner Schein, wenig Klasse

      Gerade bei Babynahrung sollte man erwarten können, dass auf beste Rohstoffe aus garantiert nachvollziehbarer Quelle geachtet wird. Immerhin 65 Prozent der angebotenen Produkte wurden unter dem EU-Bio-Siegel produziert, diese entsprechen jedoch nicht den strengen Kriterien der österreichischen BIO AUSTRIA-Vereinigung. Die Frage ist auch, wie ökologisch sinnvoll ein Bio-Rohstoff ist, der zigtausende Kilometer an Reise hinter sich hat.

      Die Tester*innen finden hier klare Worte der Kritik: „Im Internet erfährt man, dass auch in bio-zertifizierter Babynahrung Äpfel aus Chile und Argentinien, Weizen aus Russland sowie Reis aus Mexiko und Pakistan stammen können. Weit gereiste Zutaten machen wenig Sinn und heizen dem Klima weiter ein, weil sich der CO2-Rucksack durch den Transport noch vergrößert.“

      Ein weiterer Kritikpunkt der Expert*innen ist mangelnde Transparenz: „Das genaue Land der Herkunft findet sich ohnehin nur in Ausnahmefällen und nur für einzelne Zutaten auf der Verpackung. Schuld ist, dass es für verarbeitete Produkte keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht der Herkunft gibt. Produkte aus Ländern außerhalb der Europäischen Union belasten die Umwelt aber nicht nur durch den langen Transport, bei konventionell hergestellten Zutaten können auch Pflanzengiften verwendet werden, die in der EU verboten sind.

      Unser Fazit: Am besten man greift auf Babynahrung aus Österreich, zertifiziert mit dem österreichischen Bio-Siegel oder zumindest dem EU-Biosiegel. Die findet man am ehesten im Drogerie-Markt. Die beste Nahrung für Babys ist aber nach wie vor die Muttermilch.



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