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      Warum höhere Fleischpreise den Handelskonzernen nutzen, aber keine Probleme lösen

      Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger sorgt für viel Kritik mit ihrer Aussage, man müsste das Fleisch um ein Drittel teurer machen. Eine Replik von oekoreich-Bundeskoordinator Sebastian Bohrn Mena.

      5/22/2021
      • Österreich
      • Ernährung
      • Landwirtschaft
      Warum höhere Fleischpreise den Handelskonzernen nutzen, aber keine Probleme lösen

      Das Interview schlug ein wie eine Bombe: Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sprach mit dem Magazin Profil ausführlich über unseren Fleischkonsum. Und ließ mit einer radikalen Ansage aufhorchen: „Fleisch müsste eigentlich um ein Drittel teurer sein, nur so können Bauern vernünftig wirtschaften“. Seither wundern sich viele Menschen, ob demnächst eine künstliche Preiserhöhung bevorstehe, etwa über die Anhebung der Umsatzsteuer. Auch wenn sie sich das offenbar wünscht, das wird wohl eher nicht passieren.
       
      Doch die Logik dahinter erschließt sich mir nicht: Wie soll die einseitige Anhebung des Verkaufspreises den Landwirten, der Natur oder gar den Tieren helfen? Wird dadurch irgendwas besser? Schon jetzt landet nur ein Bruchteil des Verkaufspreises bei den Landwirten, die ums Überleben kämpfen, weil sie für ihre ehrliche Arbeit kaum noch faire Löhne erhalten. Stattdessen muss ein Bauernhof nach dem anderen für immer zusperren, wodurch die Importquote aus dem Ausland weiter angeheizt wird. Ein politisch verantworteter Teufelskreis.
       
      Es gibt vieles, was die Ministerin machen könnte
       
      Ein höherer Preis im Supermarkt garantiert auch noch lange nicht mehr Tierwohl und Naturschutz, sondern steigert eher weiter den bereits astronomischen Gewinn der Handelskonzerne. Diese entscheiden entlang ihrer Marketingüberlegungen und betrieblichen Kalkulationen, welche Produkte sie gerade in Aktion stellen und wo sie etwas draufschlagen. Nicht umsonst gibt es viel Kritik daran, dass die Produktionskosten von Bio bei weitem nicht so viel höher sind, wie die Verkaufspreise der Bio-Produkte im Supermarkt.
       
      Nicht zuletzt vergisst die Landwirtschaftsministerin in ihren Aussagen, dass sie als Regierungsmitglied eine Reihe von Möglichkeiten hat, dafür zu sorgen, dass Bauern mehr für ihre Leistungen erhalten, es Tieren besser geht und die Umwelt geschützt wird. Was hindert sie daran, endlich die verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung einzuführen, vom Supermarkt bis zum Restaurant? Wieso werden die Fördermittel nicht gerechter verteilt? Es gibt vieles, was sie tun könnte und müsste – Fleisch teurer machen gehört nicht dazu.

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