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      Totalausfälle: So dramatisch fällt hier in Österreich die Ernte heuer aus

      Der Klimawandel und die daraus folgenden Wetterextreme haben der steirischen Landwirtschaft arg zugesetzt.

      11/2/2021
      • Ernährung
      • Österreich
      • Landwirtschaft
      Totalausfälle: So dramatisch fällt hier in Österreich die Ernte heuer aus

      Der Klimawandel und die daraus folgenden Wetterextreme haben der steirischen Landwirtschaft arg zugesetzt. Laut Landwirtschaftskammer-Steiermark-Präsident Franz Titschenbacher seien die Ernteergebnisse sehr durchwachsen. Mit Humusaufbau versuchten Ackerbauern die Schäden besser abzupuffern, die durch Wetterextreme wie Trockenheit oder Starkregen entstünden. Beim steirischen Paradeobst, dem Apfel, verzeichne man um 40 Prozent geringere Erträge als in einem Normaljahr.

      Titschenbacher zufolge habe sich der Klimawandel heuer so deutlich wie nie zuvor gezeigt: "Schlagartig wechseln sich Wärme- und Kältephasen sowie Trocken- und Starkregenphasen ab." Vor allem die Ackerbauern mit Mais und Kürbis und die Grünlandbauern in exponierten Lagen sowie die Obstbauern seien besonders stark betroffen.

      Nach dem Anbau der wärmeliebenden steirischen Hauptkulturen Mais und Kürbis haben die starken Niederschläge und die kühle Witterung das Wachstum gehemmt. Nässe und Kälte bedeuteten für die Jungpflanzen "Ultra-Stress, die Wurzeln konnten sich nur schlecht ausbilden, ein Dilemma für die folgenden Trockenphasen", sagte der Präsident am Donnerstag bei der Präsentation der Erntebilanz 2021.

      Teilweise Totalausfälle

      Steiermarkweit sind die Maiserträge um 20 Prozent eingebrochen, auf sandigen Böden sind sogar Totalausfälle zu verzeichnen. Die Grünlandernte, also Futter von Wiesen und Weiden, sei sehr durchwachsen. Bei Äpfeln ist die Ernte nach dem viel zu warmen Februar, der die Vegetation stark vorangetrieben hat, und den darauffolgenden Spätfrösten im April, etwa um 40 Prozent niedriger als in einem Normaljahr. Arg erwischt haben die Spätfröste auch Steinobst wie Marille, bei der fast ein Totalausfall zu verzeichnen ist; ebenso sah es bei Kirschen, Pfirsichen und Zwetschken aus. Besser zurechtgekommen mit den Witterungsbedingungen sind Soja, Hirse, Mais in günstigen Lagen sowie Getreide und Holunder. Insgesamt sind die Frost-, Dürre- und Hagelschäden in der Steiermark heuer mit 62 Mio. Euro erheblich höher als noch im Vorjahr mit 46 Mio. Euro. Im Jahr 2019 betrugen sie 27 Mio. Euro.

      Mit Humusaufbau versucht man gezielt Trocken- und Starkregenschäden besser abzupuffern. "Ein humusreicher Boden speichert mehr Wasser, schützt die Pflanzen somit besser vor Trockenheit und verhindert bei Starkregen die Abschwemmung der wertvollsten obersten Bodenschichten sowie Erosionen und Erdanlandungen auf Straßen", betonte Kammerdirektor-Stellvertreter Fritz Stocker. Ziel sei es, in zehn Jahren den durchschnittlichen Humusgehalt auf den Ackerflächen von 2 auf 2,5 Prozent zu erhöhen.

      Der steirische Maisanbau ist heuer um 2,6 Prozent auf 59.202 Hektar gestiegen und liegt damit bei 48 Prozent der steirischen Ackerfläche. Seit 2013 ist die Maisfläche um 16,4 Prozent (2013 noch 70.812 Hektar) zurückgegangen. Die Getreideanbaufläche im Erntejahr 2021 betrug in der Steiermark 18.927 Hektar und ist somit gegenüber 2020 (21.589 Hektar) um 12,3 Prozent gefallen. Ausschlaggebend dafür waren die schlechten, sprich extrem feuchten, Anbaubedingungen im Herbst 2020. Sommergetreide, eine Kultur mit fallender Tendenz, konnte dieses Manko durch einen Anstieg von 43,8 Prozent nur teilweise abfangen. Der Raps sei überhaupt nur mehr eine "Liebhaberkultur" in der Steiermark.

      Gemischte Bilanz bei Kürbis und Wein

      Bei Erdäpfeln haben Hagelunwetter und kühle Witterung im Frühjahr nur Mindererträge bei Frühkartoffeln erbracht, bei der Speisekartoffel sei die Ernte zufriedenstellend gewesen. Bei Äpfeln liege die aktuell geschätzte Erntemenge nur bei etwa 110.000 Tonnen - um etwa 40 Prozent weniger als bei einer Normalernte. Bei Birnen haben die Spätfröste schon zum zweiten Mal hintereinander die Erntemenge reduziert, zu verzeichnen war ein Minus von 60 Prozent. Beim Beerenobst wurden hingegen gute Erntemengen über die ganze Saison verteilt erzielt, es gebe eine sehr hohe Nachfrage nach regionalen Beeren wie Heidelbeere, Himbeere, Erdbeere und Ribisel.

      Beim steirischen Ölkürbis ist die Anbaufläche gleichgeblieben, eingefahren wurde eine durchschnittliche Erntemenge bei den Kernen zwischen 620 und 630 Kilo pro Hektar. Beim Wein verzeichneten die Winzer "kein einfaches Jahr, aber eine Bilderbuchlese". Es werde die gleiche Erntemenge wie im Vorjahr erwartet, nämlich rund 232.000 Hektoliter. Allerdings habe der "Bilderbuch-September" den Trauben einen richtigen Reife- und Qualitätsschub beschert.

      (oekoreich/APA)




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