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      Skandal: Hühnerfleisch aus Taiwan in Landesküchen in Niederösterreich

      Es klingt wie ein schlechter Scherz, entpuppt sich aber als handfester Skandal: In Niederösterreich wird mit Steuergeld das Huhn aus Taiwan für öffentliche Küchen besorgt.

      6/12/2021
      • Landwirtschaft
      • Österreich
      • Ernährung
      Skandal: Hühnerfleisch aus Taiwan in Landesküchen in Niederösterreich

      Es klingt wie ein schlechter Scherz: Hühnerfleisch aus der Ukraine, aus Argentinien und sogar aus Taiwan, das in öffentlichen Küchen des Landes Niederösterreich ausgegeben wird? Tausende Kilometer der Reise vom anderen Ende der Welt bis nach Lilienfeld? Eine Mitarbeiterin, die aus Angst vor negativen Konsequenzen anonym bleiben wollte, berichtete genau das vor kurzem an lokale Medien im größten österreichischen Bundesland.
       
      Eine Rückfrage bei der zuständigen Landesbehörde bestätigte jedoch die Aussagen der Mitarbeiterin. Bei Tiefkühlwaren könne es tatsächlich vorkommen, so die Auskunftsperson, dass auch in Küchen des Landes Niederösterreich die Produkte aus dem Ausland am Teller landen. Diese würden dafür aber garantiert von heimischen Unternehmen geliefert. Der zunächst vermutete schlechte Scherz entpuppt sich also als handfester Skandal.
       
      Niederösterreichische Regionalität aus Taiwan?
       
      Immerhin geht es hier um österreichisches Steuergeld, mit dem für die Küchen der Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten und Schulen eingekauft wird. Es kommt einem Förderungsprogramm für die ausländische Massentierhaltung gleich, wenn dieses Steuergeld für die Tierfabriken in Asien und Südamerika verwendet wird. Abgesehen von den katastrophalen Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

      Wo mit Regionalität geworben wird, sollten auch nur heimische Lebensmittel drinstecken


      Zumal sich auch die Landespolitik damit schmückt, dass man auf „regionale Lebensmittel“ im Bereich der öffentlichen Küchen setzen würde. Was das Huhn aus Taiwan mit Regionalität zu tun hat, bleibt offen. Der zuständige Landesrat Stefan Pernkopf scheint sich auch keiner Schuld bewusst zu sein, Änderungen wurden seinerseits als Reaktion auf den offenkundigen Skandal nicht angekündigt. Vielleicht betrachtet er es aber auch einfach nicht als Problem.
       
      Gequälte Tiere für Kinder, Alte und Kranke?
       
      Zurück bleibt der mehr als schlechte Nachgeschmack, dass es offenbar auch im Jahr 2021 immer noch den Mut und die Courage einer Bediensteten des Landes Niederösterreichs braucht, um hier die Wahrheit ans Licht zu bringen. Denn die Transparenz fehlt, gerade auch gegenüber den Konsumenten. Doch wo mit Regionalität geworben wird, sollten auch nur heimische Lebensmittel drinstecken. Das sollte gesetzlicher Standard sein.
       
      Und gerade die Kinder, die Kranken und die Alten in einer Gesellschaft, sollten im Einflussbereich des Staates, wo auf den Einkauf also unmittelbar Einfluss genommen werden kann, nur beste Qualität aufgetischt bekommen und nicht gequälte Tiere aus Übersee. Auch die heimischen Landwirte, von denen viele ums Überleben kämpfen, würden es danken. Ein weiterer Beweis dafür, wieso es die verpflichtende Herkunftskennzeichnung braucht.



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