Artikel

      „Verstümmelung beenden“: Schweizer mobilisiert für Ende der Enthornung

      80 Prozent der Kühe werden enthornt - und leiden noch Monate danach unter Schmerzen. Ein Schweizer will das nun beenden und sorgt damit für ordentlich Bewegung.

      6/13/2021
      • Tiere
      • Schweiz
      • Landwirtschaft
      „Verstümmelung beenden“: Schweizer mobilisiert für Ende der Enthornung

      Der Bergbauer Armin Capaul gilt in der Schweiz als „Rebell“, spätestens, seit er sich maßgeblich für die Initiative für ein Ende der Enthornung von Kühen und Ziegen einsetzte, die im Jahr 2018 knapp im Volksvotum scheiterte. Doch der heute 70-jährige will sich nicht geschlagen geben und droht nun mit einer zweiten Initiative, sollte sein Anliegen nicht von der hohen Politik aufgegriffen und umgesetzt werden.
       
      Grundvernünftige Forderung: Mehr Förderungen
       
      Dabei klingen seine Forderungen grundvernünftig: Jene Bauern, die nicht auf die Enthornung der Tiere setzen, sollen ein besondere Prämie erhalten. Damit wird ihnen die aufwendigere Haltung erleichtert und das Tierwohl befördert. Zeigen doch zahlreiche Studien eindeutig, dass die Enthornung der Tiere mit zahlreichen gesundheitlichen Folgen verbunden ist. So dient das Horn der Kühe etwa auch als Kommunikationsorgan.
       
      Doch die Hörner haben auch eine kühlende Funktion für den Kopf der Tiere, sie leiten überschüssige Hitze ab und schützen damit das Gehirn. Neue Untersuchungen legen sogar einen Zusammenhang zwischen Verdauung und Hörnern nahe – doch man weiß in Wahrheit noch viel zu wenig über die Funktionalitäten der Hörner. Gesichert ist, dass die Tiere nach der Enthornung oft noch Monate lang unter Schmerzen leiden.
       
      Enthornung: Am Ende geht’s primär ums Geld
       
      Schätzungen gehen davon aus, dass europaweit nur 20 Prozent der Kühe noch ihre Hörner behalten dürfen. Medien berichten, dass über 1,4 Millionen Kälber alleine in Deutschland jährlich enthornt werden, bis zu einem Alter von 6 Wochen darf das sogar ohne Schmerzausschaltung erfolgen. Das Argument, dass die Enthornung aus Sicherheitsgründen notwendig sei, wird in Fachkreisen vehement widersprochen – es sei nur eine Kostenfrage.
       
      In der Schweiz jedenfalls sorgt die Drohung des „Rebellen“ für Bewegung in der Politik. Offenbar möchte man sich nicht auf eine zweite Kampagne einlassen, die diesmal – nachdem das Tierschutz-Bewusstsein in der Bevölkerung jedes Jahr steigt – sogar positiv ausgehen könnte. Daher zeigt man sich nun gesprächsbereit und überlegt, wie man ein Fördermodell integrieren könnte. Immerhin ein kleiner Fortschritt.



      In eigener Sache: Wir decken auf, wir fragen nach, wir legen offen. Das gefällt manchen Konzernen natürlich nicht. Umso wichtiger ist der Rückhalt vieler Menschen. Bitte unterstützt unsere Arbeit - jeder Beitrag hilft. Danke!

      Jetzt weiterlesen

      oekoreich möchte ein bestmögliches Onlineangebot bieten. Hierfür werden Cookies gespeichert. Weil uns Transparenz wichtig ist können Cookies und die damit verbundenen Funktionalitäten, die nicht für die Grundfunktion von oekoreich notwendig sind, einzeln erlaubt oder verboten werden.
      Details dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung. Dort kannst du deine Auswahl auch jederzeit ändern.