Ökoreich: Frau Van Melle, Sie waren u.a. viele Jahre aktiv bei Slow Food Wien, jetzt sind Sie sehr erfolgreich als Brotback-Initiatorin von Kruste & Krume. Was alles an Artenvielfalt in Österreich konnten Sie dadurch reaktivieren?
Barbara van Melle: Das Älterwerden hat auch etwas Positives. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre haben Waldviertler LandwirtInnen Erdäpfel wieder eingeackert, weil sie unbekannt waren und niemand kaufen wollte. Niemand interessierte sich für Biodiversität. Damals gab es die ersten Pioniere, auch bei Paradeisern und Getreide. Dann hat die Artenvielfalt ein bisschen an Fahrt aufgenommen. Slow Food war dabei ein Baustein, wir haben die Arche des Geschmacks ins Leben gerufen. Zum Beispiel das Waldviertler Waldstaudenkorn oder den Lungauer Tauernroggen.
Nur: Bei der Non-Profit-Tätigkeit fehlt der Link zur Wirtschaftlichkeit und Vermarktbarkeit. Also wie kommen Menschen, die an dieser Biodiversität interessiert sind, an die Produkte? Wir haben auch die Kirschen im Burgenland vernetzt, und diese gesamte Vernetzungsarbeit hat in mein heutiges Engagement bei Kruste & Krume gemündet – das einzige Spezialgeschäft für Mehl und Getreide, wo man diese alten Getreidesorten wie Laufener Langweizen, Schlägler Roggen online bestellen oder in der Greißlerei abholen kann.
Van Melle: "Die Menschen brauchen einheimisches Saatgut"
Sortenvielfalt sei nur mit zivilgesellschaftlichem Engagement möglich, so Barbara van Melle im oekoreich-Gespräch mit Heike Hausensteiner. Die renommierte ehem. Journalistin ist erfolgreiche, der Biodiversität verpflichtete, Unternehmerin.
5/13/2021- Artenvielfalt
- Ernährung
- Österreich

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