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      Hunderte Morde: Konzerne gehen brutal gegen Indigene & Umweltaktivisten vor

      Es ist eine erschreckende Zahl: 227 Menschen sollen alleine im Jahr 2020 ermordet worden sein, weil sie sich für den Schutz der Umwelt engagieren.

      9/21/2021
      • International
      • Umwelt
      Hunderte Morde: Konzerne gehen brutal gegen Indigene & Umweltaktivisten vor

      Es ist eine erschreckende Zahl: 227 Menschen sollen alleine im Jahr 2020 ermordet worden sein, weil sie sich für den Schutz der Umwelt engagieren. Besonders betroffen sind einem Bericht der NGO „Global Witness“ zufolge, Angehörige der indigenen Bevölkerung in Südamerika und Asien, die ihr Land gegen die Zerstörung durch Konzerne verteidigen.

      Die Rohstoffgewinnung, gleich ob es sich um die Landwirtschaft oder den Bergbau handelt, ist vielfach mit illegalen Aktivitäten und roher Gewalt verbunden. Das zeigen auch zahlreiche Fälle, die Autorin und oekoreich-Kolumnistin Kathrin Hartmann in ihren Büchern und Reportagen dokumentiert. Etwa im Bereich des Palmöl-Anbaus.

      Nutznießer der Verbrechen sind multinationale Konzerne

      Noch nie sollen so viele Menschen ermordet worden sein wie im vergangenen Jahr, die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen als die offiziellen Zahlen. Hinter den Morden stecken oft zumindest indirekt auch multinationale Konzerne, sie jedenfalls gehören zu den großen Nutznießern des Raubbaus in den Ländern des globalen Südens.

      Ob es sich um den Kobalt-Abbau in den Minen des Kongos oder die Landnahme zum Soja-Anbau im brasilianischen Urwald handelt, am Ende werden die großen Profite in den europäischen oder US-amerikanischen Konzernzentralen verbucht. Für die Verbrechen in den globalen Lieferketten sind die Profiteure jedoch nicht haftbar.

      Genau das möchte nun die Bürger*innen-Initiative für ein Lieferkettengesetz ändern. Nachdem die freiwillige Selbstkontrolle von Konzernen oder durch sie kontrollierte Gütesiegel nachweislich nichts an Missständen wie Kinderarbeit oder körperlicher Gewalt ändern, wird nun die Einführung gesetzlicher Schranken diskutiert.

      Importverbot für Produkte aus Raubbau gefordert

      Auf europäischer Ebene sind die Verhandlungen bereits stark fortgeschritten, doch die Industrie baut gegenwärtig gehörig Druck auf die EU-Kommission auf, wie der EU-Abgeordnete Thomas Waitz jüngst in einem exklusiven Interview mit oekoreich mitteilte. In Deutschland wurde ein Lieferkettengesetz kürzlich beschlossen.

      In Österreich fordert die Bürger*innen-Initiative für ein Lieferkettengesetz nicht nur mehr verpflichtende Transparenz bei Konzernen ein, sondern auch die persönliche Haftung von Vorständen bei nachweislich nicht erfolgter Kontrolle. Auch ein Importverbot für Rohstoffe und Produkte, bei deren Herstellung die Menschenrechte oder internationale Umweltstandards verletzt wurden, befinden sich im Forderungskatalog.



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