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Meinung

Lebensmittelherkunft: Wie lange dürfen Konsumenten noch belogen werden?

Ministerin Köstinger blockiert die Transparenz bei Lebensmitteln - und wird dafür nun just von einem Think-Tank kritisiert, der von Handelskonzernen finanziert wird. Dabei herrscht besonders viel Intransparenz in den Supermärkten.

4/12/2021
  • Ernährung
  • Österreich
  • Landwirtschaft
Lebensmittelherkunft: Wie lange dürfen Konsumenten noch belogen werden?

Es ist die zentrale Forderung des erfolgreichen Tierschutzvolksbegehrens, welches in Kürze im österreichischen Parlament behandelt wird: Transparenz bei Lebensmitteln. Die Bürger haben in dem Volksvotum im Januar 2021 klar zum Ausdruck gebracht, dass Konsumenten zukünftig leicht und schnell erkennen können sollen, woher ihr Essen stammt und wie es erzeugt wurde. Damit sollen Massentierhaltung und Naturzerstörung ausgehebelt werden, die bislang unerkannt auf den Tellern landen, aber auch die Landwirtschaft gestärkt werden.
 
Obwohl die organisierte Bauernschaft seit langem dafür kämpft, wurde diese Transparenz seit Jahren blockiert. Maßgeblich dafür verantwortlich sind die Nahrungsmittelindustrie und Teile der Gastronomie, die offenbar den Menschen nicht sagen wollen, was sie ihnen tatsächlich auftischen. Doch Widerstand regt sich, nicht zuletzt dank der Initiative Tierschutzvolksbegehren. So haben kürzlich mehrere große Umweltorganisationen und auch der von den Handelskonzernen finanzierte Verein „Land schafft Leben“ die Forderung unterstützt.

Wie lange wird sich die ÖVP noch dem Willen der Bevölkerung & Landwirte widersetzen?
 
Das ist insofern bemerkenswert, als dass die Handelskonzerne nicht unbedingt als Vorreiter der Transparenz gelten. So finden sich in 97 Prozent aller rund 13.000 Produkte, die in Supermärkten mit Ei als Zutat gelistet sind, ausländische Käfigeier. Mozzarella besteht fast ausschließlich aus Milch aus dem Ausland und selbst der Apfelsaft kommt im überwiegenden Maße aus China. Im Supermarktregal herrscht also viel zu oft Betrug am Konsumenten. Umso erstaunlicher, dass ein „Think-Tank“ der Handelskonzerne nun umschwenkt.
 
In der Bundesregierung wehrt sich inzwischen nur noch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger eisern gegen die verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln in der Gastronomie. Während Gesundheitsminister Rudi Anschober jüngst einen Verordnungsentwurf vorgelegt und zur Notifizierung nach Brüssel geschickt hat, der die Gastronomie als Bestandteil der Gemeinschaftsverpflegung entsprechend der EU-Definition umfasst, blockiert die ÖVP-Ministerin nach wie vor beharrlich den dringend nötigen Fortschritt.

Österreichische Produzenten werden benachteiligt
 
Das liebste Gegen-Argument der Wirtschaftskammer, der bürokratische Aufwand wäre für die Gastronomen nicht zumutbar, wird mittlerweile sogar von den Gastronomen selbst widerlegt. So haben sich „Die BiowirtInnen“, ein Zusammenschluss von heimischen Gastronomen, die über 500.000 Menschen jährlich verköstigen, erst kürzlich selbst öffentlich für eine verpflichtende Kennzeichnung ausgesprochen. Aus gutem Grund, werden doch bislang just jene benachteiligt, die auf österreichische Produkte setzen. Ein unhaltbarer Zustand.

Es kann nicht sein, dass jene heimischen Produzenten, die nachweislich auf österreichische Rohstoffe setzen, insbesondere bei der Erzeugung von Fleischwaren, systematisch benachteiligt werden. Schlimm genug, dass die Politik seit Jahren darin versagt die Bevölkerung hinreichend über die wahre Herkunft der Lebensmittel zu informieren, sollte sie doch zumindest nicht jenen Vorschub leisten, die Konsumenten und Bürger belügen. Die Ministerin ist also dringend gefordert ihren obskuren Widerstand aufzugeben, er schadet dem ganzen Land.


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